Nein zu Rudolf Dietz

Anwohner der Straße:


Foto: Peter Reimer
Der Name eines National- sozialisten sollte keine Ehrung durch eine nach ihm benannte Straße erfahren. Meines Wissens nach gibt es keine andere Straße in Bad Camberg, die nach einem Nazi benannt worden ist. Alle Straßennamen mit Namen von Nazigrößen wurden getilgt. Wie eigentlich jemand auf die Idee kam, wohl in den 80er Jahren die Emsbachstraße (ich glaube so hieß sie, als ich ein Junge war) in Rudolf-Dietz- Straße umzubenennen darf man sich dann auch einmal fragen. Nichts gegen einen geehrten Heimatdichter auf einem Straßenschild neben Giganten wie Goethe, Schiller, Kant und Eichendorff - aber dann bitte keinen Nazi. Danke ! Alternativen werden sich sicherlich finden lassen. P.S.: bis zur Debatte kannte ich Rudolf Dietz gar nicht und hätte mir wahrscheinlich auch keine Gedanken darüber gemacht - nachdem ich das zugängliche und erreichbare Material gesichtet und soweit mir möglich geprüft habe, komme ich nicht umhin, mich eindeutig gegen Rudolf Dietz als Namensgeber für eine Straße auszusprechen.

Peter Reimer, Rudolf-Dietz-Str. 19



Foto: Holger Reich
Warum die Rudolf-Dietz-Straße 22 umbenannt werden muss: Als Anwohner der Rudolf-Dietz-Straße stand ich einer Umbenennung der Straße zunächst kritisch gegenüber. Ich hatte am Rande die Debatte aus Wiesbaden Naurod verfolgt, wo eine nach Rudolf Dietz benannte Schule umbenannt werden sollte. Ich hielt Dietz für einen harmlosen Heimatdichter, der im hohen Alter in der Zeit des Nationalsozialismus dem damaligen (entsetzlichen) Zeitgeist folgend, ein paar fiese Gedichte über die Juden geschrieben hatte. Erst die Zeitungsartikel über Rudolf-Dietz haben mich wachgerüttelt. Der 1942 verstorbene Rudolf Dietz war alles andere als ein harmloser Mitläufer. Er war schon in der Weimarer Republik Mitglied im Deutschbund, einer rassistisch-fachschistischen und antisemitischen Organisation. Bereits 1933 trat Dietz dann auch der NSDAP bei. In seinem Deutschen Reichslied, in dem Adolf Hitler verherrlicht wird, zeigt sich das faschistische Gedankengut von Dietz auf eklatante Weise. Die von CDU und SPD politisch durchgesetzte Anbringung eines Hinweisschildes am Straßennamen ist daher nicht zielführend. Was soll denn auf diesem Schild stehen? Rudolf Dietz Nassauischer Mundartdichter und überzeugter Nazi? Fakt ist und bleibt: Die Bennennung einer Straße nach einer Person, ehrt diese Person. Ich meine, eine Straße in der sogar eine städtische Kindertagesstätte befindet, nach einem überzeugten Nationalsozialisten zu benennen, ist unwürdig für unsere schöne Heimatstadt.

Holger Reich, Rudolf-Dietz-Str. 22



Foto: Sebastian Hösch
Die Debatte um den Namensträger der Rudolf-Dietz-Straße holte mich erst einige Tage nach der Stadtverordnetenversammlung (am 26. Juni 2012) ein, in dem mich Bürger der Stadt auf Leserbriefe zu der Thematik aufmerksam machten. So begann ich mich über Rudolf Dietz, seine Werke, den Antrag auf Namensänderung, die Debatte, die Pressestimmen und Leserbriefe zu informieren. Ich war schockiert darüber, dass man als Namenspatron unserer Straße ein Mitglied der NSDAP, Verfasser mehrerer Gedichte und Lieder, die gegen Juden hetzten und den Nationalsozialismus verherrlichten, gewählt hatte. Gar entsetzt war ich über rechtsgerichtete Leserbriefe zur Namensänderung. Wenn man Straßen, Plätze, Gebäude usw. nach Menschen benennt, dann doch nur um diese zu ehren und an die guten Taten der Menschen zu erinnern. Rudolf Dietz steht meines Erachtens diese Ehre nicht zu. Einmalig in Deutschland ist der Beschluss durch die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, die Geschichte wach zu halten, in dem man ein Hinweisschild zur Nazi-Vergangenheit anbringt und nicht die Straße umbenennt. Somit wird an den Täter erinnert und dieser geehrt. Ich möchte keinen überzeugten, aktiven nationalsozialistisch-antisemitischen Namenspatron für unsere Straße haben. Ich möchte meinen Kindern und den Kindern in der Kita Kinderoase lieber Menschen als Namenspatron präsentieren, die Courage in der NS-Zeit gezeigt haben, denn so kann man auch an die Geschichte erinnern und Vorbilder für unsere Kinder schaffen. In dem Artikel der Frankfurter Rundschau vom 1. April 2003 wird von Werner Prediger berichtet, einem Schüler zur Lebenszeit Rudolf Dietz, der ihn, seine Reden und auch die Schrecken, der aus diesem Gedankengut erwachsenen Taten, kennengelernt hat. Darin verübelt er es den Verantwortlichen in Wiesbaden, die „Rudolf-Dietz“-Grundschule nicht umbenannt zu haben. Beschämen wir in Bad Camberg vielleicht auch Menschen mit dieser Namensgebung? Was denken Menschen, wenn sie von der Geschichte Rudolf Dietz erfahren und jetzt wissen, dass die Straße seinen Namen behalten wird? Meine Bitte an Sie ist: Informieren Sie sich über die Werke und das Handeln Rudolf Dietz und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung dazu! Sollten Sie zu ähnlicher Einschätzung kommen, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung, um über ein weiteres Vorgehen zu beraten und Rechten nicht die Straße zu überlassen.

Sebastian Hösch, Rudolf-Dietz-Str. 22



Foto: Brigitte und Günter Oertel
Wir leben seit 40 Jahren in Camberg, wir lieben diesen Ort. Vieles haben wir in der Stadtgeschichte erlebt: - verschiedene Magistrats- und Mandatsträger - verschiedene Bürgermeister - Veränderungen Camberg wurde Bad, Kneipanlagen neu gebaut, Bäume gefällt - Anlagen verschönert. Auch die Vergangenheit angeschaut, Erinnerungen wachgehalten, Antworten Gesucht. Synagoge, jüdische Schule, Stolpersteine sind Stichworte und stehen für auf-richtige Verarbeitung der Vergangenheit – hinschauen statt wegschauen und verharmlosen. Als 70-jähriger verstehe ich, dass Veränderungen schwer fallen und der Ruf „lasst uns in Ruhe“ ist verständlich. Nicht in Ruhe gelassen werden die Mandatsträger: „Wenn Camberg nichts tut, verliert es das Bad“ Da wurde und wird einiges getan für Kur und das Ansehen des Bade-Ortes. Mit der Bitte, den Namen der Rudolf-Dietz-Straße zu ändern geht es auch um das An-sehen und Image unserer Stadt. Für und Wider wurden ausgiebig Besprochen (auch wir haben uns an Fraktionen des Stadtparlamentes und Anlieger Gewandt – „Gedanken vom 8. August 2012“) Liebe Stadtverordnete und Ausschussmitglieder, haben Sie Mut, die Dunkelheit der Vergangenheit zu überwinden, und Schritte zu gehen, die dem Wohl und An-sehen Cambergs dienen! Es soll bei Bad Camberg bleiben und nicht dem englischen BAD – also „schlecht“ Camberg änderungen haben und werden unserer Stadt gut tun. Vielleicht wieder Ems-Straße oder Marie-Mallarme-Straße – die Camberger gebildete Europäerin – das Täte uns gut, eine Stadt, die würdigt, was zu würdigen ist!

Brigitte und Günter Oertel, Rudolf-Dietz-Straße 19